ein Bericht von Silvia  
 
Hawaii-Reise 2009

Im Sommer 2009 war ich für vier Wochen auf Oahu. Natürlich wollte ich auch tanzen. Im Internet fand ich Kumu Kea, bei der man Stunden nehmen und auch wohnen kann. Nachdem ich mit zwei Stunden Verspätung nachts um halb zwölf endlich in Oahu landete, musste ich zunächst mein Auto abholen.

  Die Autovermietungen sind wohl an Verspätungen gewöhnt und haben glücklicherweise bis morgens um eins auf. Ich also mein Auto geschnappt und im Stockdunkeln losgefahren. Nach ein paar verbotenen Wendemanövern bin ich dann endlich so gegen halb zwei in Kailua angekommen. Und dann stand sie vor mir. Meine Lehrerin, Kumu Kea.
  Eine Frau genauso chaotisch wie ihr Haus. Mitte siebzig und fit wie ein Turnschuh. Vom Aussehen her erinnerte sie mich stark an die älteren Klischeeamerikanerinnen, die man oft im Fernsehen sieht. Stark geschminkt und mit Klunkern behangen. Aber wenigstens ein Bier habe ich bekommen ;-) Haus im Umbau, sie in Vorbereitungen für einen Auftritt in Japan, keine regulären Hulaklassen, nur sie und ich.




  Am nächsten Tag hatte ich meine erste Hulastunde, natürlich, wie könnte es anders sein, mit einer Stunde Verspätung. Ich muss mich erst wieder daran gewöhnen, dass Zeit hier offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle spielt. Zunächst habe ich Einiges über die Geschichte Hawaiis und den Hula erfahren. Manches davon wusste ich noch nicht, nämlich, dass auch die Schritte eine Bedeutung haben. Sie waren zu früheren Zeiten, wenn es z.B. in einem Lied um eine Reise ging, quasi eine "getanzte Landkarte" und dienten tatsächlich der Navigation. Interessant fand ich auch, dass das Wort das Wichtigste war.
  Etwas, das ausgesprochen wird, kann nicht zurück genommen werden, daher waren die Hawaiianer in ihrer Wortwahl sehr vorsichtig. Würde uns heute auch manchmal ganz gut zu Gesicht stehen, oder? Die Weitergabe von Geschichten, ob nun in Wort oder Wort und Tanz, war auch nicht so ganz freiwillig. Gleich nach der Geburt wurde ein Kind dafür ausgesucht und trainiert.
  Ja und dann ging das Training los. Schon innerhalb der ersten Minuten wurde mir klar, dass Hula harte Arbeit ist. Mir taten hinterher Muskeln weh, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe. Hausaufgaben habe ich auch bekommen.

  Am Abend durfte ich mir eine Probe für den Auftritt in Japan ansehen. Hula kahiko, der "alte" Hula. Unglaublich, wenn man das mal live und nicht nur auf Video sieht. Lustig auch die zweideutig, eindeutigen Tänze. So geht es in einem Tanz um einen großen Penis, was man ziemlich eindeutig an den Bewegungen erkennen kann ;-)
 
Meine zweite Hulastunde begann (fast) pünktlich. So chaotisch Kumu als Privatperson auch sein mag, so strukturiert und unerbittlich ist sie als Lehrerin. Kurze Wiederholung und dann ging's auch schon los mit "Green Rose Hula". Dafür brauchen ihre Hulaschülerinnen ungefähr sechs Wochen, meinte Kumu und dachte, sie bringt mir mal flugs in einer Stunde die ersten 3 von 5 Strophen bei ;-) Ich möchte mich eigentlich gar nicht daran erinnern, wie das in ihrem großen Spiegel aussah ;-) "Hausaufgabe" war natürlich wieder üben, üben, üben. Habe ich (mit mäßigem Erfolg) auch getan. Noch mal zurück zur "green rose".
 
Die gibt es hier tatsächlich. Ist eine Rose, auch wenn sie nicht so aussieht und riecht ein wenig nach Pfeffer.

  Mitten in meine Stunde kam eine Frau geplatzt, die irgendetwas haben wollte, das Kumu in ihrem Chaos natürlich nicht gleich fand. Also ging sie auf die Suche, während ich mich unterhielt. Besagte Frau hat die Website von Realhula gestaltet, ist etwa 60 Jahre alt, hat eine Rauschgoldengelmähne und züchtet Schmetterlinge, die als Tätowierungen auch ihre Füße zieren. In Deutschland schnell in eine Schublade gepackt, hier ganz normal.

  Kumu hat mir nicht nur etwas über Hula erzählt, sondern auch viel über sich. Die Liebe zum Hula hat sie einst nach Hawaii gebracht. Kailua hat sie sich ausgesucht, weil sie findet, dass das der beste Ort aller Inseln ist und Oahu die beste Insel. Habe ich doch vor zwei Jahren schon mal gehört. Von Carol. Um hier zu leben, ist es vielleicht tatsächlich der beste Ort. Relativ klein, aber alles an Infrastruktur da, was man braucht. Dicht an Honolulu, so dass man ins Theater oder in die Oper gehen kann. Tolle Strände und breite Straßen ;-)
  Kumu komponiert und singt sie auch. Außerdem vertreibt sie Tanz-CDs. Sie hat mir ihr Tonstudio gezeigt. Mit Mischpult und allem drum und dran. Was die dort an technischem Equipment haben ist unglaublich.
  In meiner letzten Hulastunde musste ich mal eben die letzten zwei Strophen des "Green Rose Hula" lernen. Dafür hat sie mich ein paar Tage später zu einer Party zum 4. Juli mitgenommen. Am Strand tobte das Leben und die Polizei hat aufgepasst, dass auch alle brav blieben ;-) Und es sind tatsächlich mal Leute zu Fuß unterwegs und nicht wenige. Ist ein bisschen wie Silvester bei uns. Überall wird geknallt und unglaublich viel getrunken.

  Das Haus, in dem die Party stattfand, liegt auf einem Hügel direkt am Strand. Jeder hat etwas mitgebracht und so gab es eine Menge zu Essen und zu Trinken. Mit einem Bier in der Hand aufs Meer zu schauen, während es langsam dunkel wird, das hat was. Lauter nette Leute um einen herum und ein Feuerwerk gab's auch noch. Und dann, nach dem Feuerwerk holten die Jungs ihre Gitarren und Ukulelen raus… kanikapila, so nennt man das hier auf Hawaii…
  Auf dem Rückweg erzählte Kumu dann noch folgende Geschichte: Eines Tages habe sie eine Freundin nach Hause gebracht, in deren Baum vor dem Haus ein böser Geist wohnte, der einfach nicht zum Gehen zu bewegen war. Die Freundin hatte daher beschlossen, einen Spezialisten zu bestellen, der am nächsten Tag kommen und den Geist vertreiben sollte. Da der Geist wohl irgendwie spitz gekriegt hatte, dass er vertrieben werden sollte, warnte die Freundin Kumu.
  Es könne sein, dass der Geist versucht, sich an sie ranzuhängen. Kumu setzte also ihre Freundin ab und hatte dann plötzlich so ein merkwürdiges Gefühl, als sei jemand auf der Rückbank. Sie habe den Geist dann laut angebrüllt, er solle verschwinden und dann sei plötzlich die Schiebetür kurz auf- und wieder zugegangen. Danach war wieder alles ok. Das war übrigens ihr voller Ernst. Kumu ist auch der festen Überzeugung, es sei besser, vor Betreten eines Waldes, eines Strandes etc. um Erlaubnis zu fragen, wenn man keinen Ärger mit den Geistern bekommen will. Tja, es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde… Vor allen Dingen auf Hawaii. In diesem Sinne
Aloha nui Silvia